Jubiläum




 

 

 

 

Die Pfingsteggbahn

«Einen herrlichen Ausguck auf Grindelwald und das Tal der Schwarzen Lütschine und einen idealen Ausgangspunkt für Wanderungen zu Grindelwalds Gletschern erschliesst die Luftseilbahn Grindelwald-Pfingstegg, die gestern Mittwoch offiziell eingeweiht worden ist.» So beginnt ein Artikel der Zeitung ­«Tages-Nachrichten» (Vorläuferin der heutigen Berner Zeitung) vom 20. Juli 1967. Auch weitere regionale und nationale Printmedien berichteten mehr oder weniger ausführlich über ein für Grindelwald durchaus historisches Ereignis.

Das Einweihungsfest fand natürlich auf der Pfingstegg statt, anwesend waren unter anderem der Grindelwalder Grossrat Christian Brawand sowie der bernische Volkswirtschaftsdirektor Hans Tschumi.Auf der Pfingstegg wurde bereits im Jahr 1936 von Familie Lehmann ein Berghaus eröffnet; damals wie heute ist die Gaststätte für ihre Terrasse und den schönen Ausblick nach Grindelwald bekannt.

Um die Pfingstegg auch für weniger wanderfreudige Gäste und Einheimische zu erschliessen, bildete sich im Jahr 1961 ein Initiativkomitee zum Bau einer Seilbahn. Bereits ein Jahr später reichte das Komitee beim damaligen eidgenössischen Post- und Eisenbahndepartement (heute Uvek) ein Konzessionsgesuch ein.

Das defizitäre Wintergeschäft

Die Firma Habegger aus Thun projektierte eine Pendelbahn mit einer Kabine für 35 Personen. Die Kosten für den Bau sollten sich ursprünglich auf 1,35 Millionen Franken belaufen. Genehmigt wurde 1965 dann der Bau einer Bahn mit zwei Kabinen. 1966 wurde die heutige Luftseilbahn Grindelwald-Pfingstegg AG gegründet; im gleichen Jahr begannen die Bauarbeiten. Schliesslich kostete der Bau knapp 2,4 Millionen Franken. Zur ersten Belegschaft zählten drei Jahresangestellte, zusätzlich eine Person im Sommer, zwei im Winter sowie ein Aushilfskondukteur.

In den ersten Jahren bot die Pfingsteggbahn auch einen Winterbetrieb an. Von der Kleinen Scheidegg mietete man einen Ratrac, mit dem drei Pisten präpariert wurden. Der 154 Meter lange Skilift Graben transportierte die Gäste zurück zur Bergbahn. Allerdings war der Winterbetrieb am sonnenarmen Hang von Beginn weg defizitär. Wegen der geringen Höhe – die Bergstation befindet sich auf 1387 Metern über Meer – gab es oft Schneemangel zu beklagen.

Die Leitung der Bahn sah Ende der 70er-Jahre ein, dass die Pfingstegg für Skifahrer zu wenig attraktiv war. Im April 1979 wurde der Skibetrieb eingestellt, der Skilift demontiert und für 17'000 Franken verkauft. Zurück blieben Erinnerungen an Anlässe wie die Skirennen des Skiclubs Grindelwald sowie Schweizer und Weltmeisterschaften der damals neuen Sportarten Snowcart und Schneebob.

Umsatz erstmals über 1 Million

Seither konzentriert man sich an der Pfingstegg auf das Sommergeschäft. Mit Frequenzen, die seit 1968 – dem ersten vollen Betriebsjahr – mit wenigen Ausnahmen konstant zwischen rund 80'000 und 120'000 Fahrten pro Jahr gehalten wurden. 1971 war frequenzmässig das Spitzenjahr mit über 128'000 Fahrten. Den Tiefpunkt erlebte man 2013, als man keine 73'000 Fahrten mehr zählte. Seither geht es wieder aufwärts. Und im Betriebsjahr 2016 knackte man erstmals seit sieben Jahren wieder die Marke von 100'000 Fahrten. Gleichzeitig verzeichnete die Bahn erstmals einen Jahresumsatz von über 1 Million Franken.

Für das Jahr 1999 und die folgenden Jahre zeigen die Umsatz- und Frequenzstatistiken gegenüber den Vorjahren eine Kurve nach oben. Mit gutem Grund: Das Unternehmen eröffnete in Zusammenarbeit mit der deutschen Firma Wiegand die Sommerrodelbahn. Diese ist 750 Meter lang, hat vier Rechts- und drei Linkskurven sowie einen vollautomatischen Aufzug. Bereits 1999 wurden über 40'000 Rodelfahrten gezählt. Das Spitzenrodeljahr für die Bahn war 2003 (über 76 000 Fahrten), den Minusrekord gab es 2013, als zum ersten und bisher einzigen Mal weniger als 40'000 Rodler die Pfingstegg besuchten.

Innovationen und Investitionen

Doch auch als Ausflugs- und Wandergebiet erfreut sich die Pfingsteggbahn nach wie vor einer grossen Beliebtheit. Richtung Tal gibt es die beiden Wanderwege via Chalet Milchbach und via Marmorbruch nach Grindelwald. Von der Pfingstegg ist in einer rund anderthalbstündigen Wanderung das knapp 400 Meter höher gelegene Berghaus Bäregg zu erreichen. Dieses löste 2006 die vormalige Stieregghütte ab, welche wegen Rutschungen – ausgelöst durch den Rückzug des unteren Grindelwaldgletschers – im Jahr 2005 kontrolliert abgebrannt werden musste. In den Fokus der nationalen Medien gelangte die Pfingsteggbahn ebenfalls im Jahr 2006 durch die Felsabbrüche an der Ostflanke des Eigers.

Heute präsentiert sich die Luftseilbahn Grindelwald-Pfingstegg AG als gesundes und innovatives Unternehmen mit speziellen Angeboten wie dem Candle-Light-Dinner für zwei Personen in der Kabine oder neu auch mit dem Sky-Dinner für acht Personen. Im August 2016 weihte die Pfingsteggbahn ihren neuen Erlebnisspielplatz beim Berghaus ein. Im letzten Winter fand der erste grössere Umbau seit 2002 statt: Die Spannseile wurden ersetzt und die Talstation neu gestaltet. An der Bergstation entsteht ein neuer Anbau mit Platz für eine Werkstatt und einen Lagerraum. Ebenfalls werden die Sicherheitsanlagen der Rodelbahn auf den neuesten Stand gebracht.

 

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